Chapter Text
Prolog
Einst las ich ein Buch, in dem es um Planeten ging. Es war kein Thema, welches mich interessierte. Ich hatte nur Langeweile und es fiel mir zufällig in die Hand. Aus einem unbestimmten Grund blieb eine Beschreibung in mir haften. Es ging um die Ringe, die den Saturn umgeben. Sie wurden von außen beschrieben als massive Bänder, golden, glänzend, rein und perfekt. Ewig.
Aber gelangt man in die Ringe, landet man in einer kosmischen Mühle, die alles zermalmt, was darin gefangen ist. Denn die Ringe sind keineswegs massiv. Es handelt sich dabei eher um einen chaotischen Schneesturm, aus scharfen Eis- und Felsfragmenten, die von der Größe eines Sandkorns bis hin zur Größe eines Berges reichen, die rasant kreisen, ständig kollidieren, zersplittern und sich neu formieren. Die Ausmaße sind unvorstellbar, beängstigend, brutal und erbarmungslos tödlich. Ringe, die sich mit einer Klinge aus Eissplittern durch die Dunkelheit schneiden. Und diese Ringe existieren aufgrund eines Mordes. Laut der Theorie kam einst ein namenloser Mond dem Saturn zu nahe. Der Mond überschritt eine gewisse Grenze, ein Punkt ohne Wiederkehr, weil die Anziehungskraft des Saturns stärker war als die Kräfte, die den Mond zusammenhielten. Der Saturn riss den Mond auseinander. Seither umkreist er den Saturn, verstreut in Einzelteile. Eine Welt, die nicht mehr existiert. Ein Friedhof.
Ich war dieser namenlose Mond gewesen. Severus war der Saturn, der mich in Stücke riss und mich dazu verdammte für ewig um ihn zu kreisen. Tot und doch am Leben. Fragmentiert und dazu bestimmt nie wieder vollständig zu sein.
Das beschreibt meine und seine Geschichte haargenau.
